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Der Schlossberg

Der Grazer Schlossberg ist sicher eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Auf dem Felsblock aus Dolomit Kalk, erhebt er sich 123 Meter über den Hauptplatz der Stadt Graz und ist somit 473 Meter hoch. Der Sage nach soll der Teufel höchstpersönlich für die Entstehung des Schlossberges verantwortlich sein. Er sollte den Grazer Hausberg (Schöckl) noch höher machen und würde dafür eine Menschenseele erhalten. Also flog er nach Afrika und holte sich einen riesigen Felsbrocken. Zurück in Graz merkte er, dass Ostersonntag ist und er an diesem Tag keine Macht über die Menschen hat und somit auch keine Menschenseele erhalten würde. Fuchsteufelswild schleuderte er den Felsbrocken auf die Stadt und dieser zerbrach in zwei Teile. Der größere Teil ist der Schlossberg, der kleine ist der Kalvarienberg.

Spulen wir ein bisschen vor: Im 12. Jahrhundert (ca. 1125) wurde auf dem Schlossberg eine kleine, romanische Burganlage, die später vom Landesfürsten benutzt wurde, errichtet. Das genaue Aussehen (u. a. mit der nicht mehr bestehenden Thomas Kapelle) der ersten Burganlage ist leider nicht überliefert. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Festung ordentlich erweitert. Grund dafür waren die immer stärker werdenden Türken Bedrohungen, so wurde sie zur stärksten Festung Innerösterreichs. Tatsächlich wurde die Festung am Schlossberg nie eingenommen. Unter Major Franz Xaver von Hackher zu Hart und Karl von Cerrini wurde sie von Mai bis Juli 1809 mit insgesamt 900 Mann sogar erfolgreich gegen die Franzosen verteidigt. Aufgrund des Friedensvertrages zwischen Frankreich und Österreich im selben Jahr wurde die Befestigungsanlage zur Gänze vernichtet.

 

Der Uhrturm

 

Damit DAS Wahrzeichen der Stadt Graz – der Uhrturm – sowie der Glockenturm der „Liesl“ und ein paar Basteien nicht ruiniert werden, bezahlte die Grazer Bevölkerung dem französischen Sprengkommando eine größere Summe Gulden. Nach der Sprengung der Befestigungsanlage war der Schlossberg ein Trümmerhaufen. Erst ab dem Jahr 1840 wurde er durch Freiherrn von Welden zum Landschaftspark umgestaltet. Einige Jahre später eröffneten auch Gastronomiebetriebe, wie z. B. das Schweizerhaus oder das spätere Starcke-Haus. Ebenso wurde die Schlossbergbahn errichtet.

Das unterirdischen Gewölbe in der Stallbastei wurden ab Ende des 18. Jahrhunderts als Gefängnisse genutzt. 1937 wurde an dieser Stelle die Kasematten-Bühne fertiggestellt.
Während des Zweiten Weltkrieges diente der Schlossberg wieder dem Schutz der Grazer Bevölkerung: 1943 begann man mit dem Bau des 6 Kilometer langen Stollensystems. Rund um den Berg schuf man 21 Eingänge und im Inneren konnten bei schweren Luftangriffen bis zu 50.000 Menschen Schutz finden.

 

Nach soviel Geschichte stellt sich nun die Frage, wie man auf den Schlossberg kommt.
Da wäre zum einen die Schlossbergbahn. Sie entstand 1893/1894 als Standseilbahn. Seit 1900 wird sie elektrisch angetrieben und in den Jahren 1960/1961, bzw. 2004 modernisiert. Gestartet wird am Kaiser Franz Josef Kai 38 und nach einer drei-minütigen Fahrzeit erreicht man die Bergstation (direkt vor den Kasematten). Die Bahn fährt alle 15 Minuten und ermöglicht durch das Panorama-Glasdach einen wunderschönen Blick auf die Stadt.

 

Talstation der Schlossbergbahn am Kaiser-Franz-Josef-Kai

 

Eine andere Möglichkeit auf den Schlossberg zu kommen ist der Schlossberg-Lift. Im Zuge der Landesausstellung im Jahr 2000 wurde die Liftanlage gebaut und befördert pro Fahrt maximal 15 Personen in 30 Sekunden in die unmittelbare Nähe des Uhrturms.

Und nun kommen wir zu den „sportlichen“ Möglichkeiten den Schlossberg zu erklimmen. Die wohl anstrengendste Variante ist die über den sogenannten Kriegssteig. Erbaut wurde die Stiege im Ersten Weltkrieg. Vom Schlossbergplatz aus führen 260 Stufen hinauf. Eher gemütlich, aber dennoch sehr flott kommt man über die Straße beginnend am Karmeliterplatz den Schlossberg hinauf. Hier stehen auch einige Parkbänke, auf denen man eine Pause einlegen kann. Die Straße führt direkt zum Uhrturm. Der vielfältigste Weg hinauf ist über die Weldenstraße. Beginnend in der Wickenburggasse geht eine kleine Straße hinauf, in der sich viele kleine Nebenwege abzweigen und man so unzählige Möglichkeiten zur Erklimmung des Schlossberges hat.

 

Ist man nun oben angekommen warten einige Sehenswürdigkeiten darauf besichtigt zu werden.

 

Der Uhrturm
Das Wahrzeichen von Graz schlechthin. 
Bereits 1265 stand an dieser Stelle ein Turm, der jedoch Mitte des 16. Jahrhundert zu dem uns bekannten Uhrturm umgebaut wurde. Bereits ein paar Jahre vor Fertigstellung wurde der Turm von der Grazer Feuerwächtern genutzt. Wer die Uhrzeit vom Uhrturm ablesen möchte, muss etwas umdenken: die Zeiger am Ziffernblatt sind verkehrt. Das heißt, dass der kleine Zeiger der Minutenzeiger ist und der größere der Stundenzeiger. Das kommt daher, dass ursprünglich nur ein Zeiger angebracht wurde (der Stundenzeiger, für die damalige Zeit üblich) und für den später angebrachten Minutenzeiger nicht mehr so viel Platz da war. Den Uhrturm findet man auf sämtlichen Souvenir-Artikel. Beginnend auf Tassen, Tellern, Shirts, Magnete bis hin zum Uhrturm aus Lebkuchen oder Schokolade.

 

Uhrturm in der blauen Stunde

 

Der Herbersteingarten
Der wunderschöne Garten wurde unterhalb des Uhrturmes angelegt. Ein Pflichttermin ist der Herbersteingarten im Frühling. Wenn nach einem langen, kalten Winter alles wieder zu blühen beginnt, erstrahlt der Garten dank der Grünraumpflegeabteilung der Holding Graz in einem wunderschönen Blütenmeer.
Früher wurde hier von der Adelsfamilie Herberstein Wein angebaut.

 

Herbersteingarten im Frühling

 

Der Türkenbrunnen
In der Nähe der Stallbastei befindet sich der in den Jahren 1553 bis 1558 gegrabene Türkenbrunnen. Mit seiner Tiefe von 94 Meter reicht er zum Grundwasserspiegel der Mur und sicherte auch bei längeren Belagerungen die Wasserversorgung der Burg. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Türkenbrunnen durch Sprengung schwer beschädigt und später teilweise mit Schutt gefüllt.

 

Der chinesische Pavillon
Über die Geschichte des Pavillons ist wenig bekannt, außer das er 1890 anstatt einer Weinlaube errichtet wurde. Weiß man zwar wenig über die Vergangenheit von ihm, so kann er bei einigen eine wichtige Rolle in der Zukunft spielen: Seit 2014 kann man im chinesischen Pavillon standesamtlich heiraten.

 

Der chinesische Pavillon

 

Die Kasematten
Früher als Gefängnis genutzt, heute ein Freiluft-Veranstaltungsort. Konzerte aller Genres, Feste, Kabarett oder Theater werden in dieser einzigartigen Kulisse da geboten.

 

Der Hackher-Löwe
Dem Schlossberg-Verteidiger Franz Xaver Hackher zu Hart wurde 1909 ein Denkmal in Form eines Löwen gesetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Löwe eingeschmolzen und erst 1966 wiedererrichtet.

 

Der Hackher-Löwe

 

 

Die große Zisterne
Nicht weit vom Hackher-Löwen wurde zwischen 1545 und 1547 die große Zisterne errichtet. Sie diente hauptsächlich zur Wasserversorgung der Besatzung, war aber aufgrund ihres Standortes in der Nähe des Zeughauses auch als Löschwasserreserve gedacht. 1897 wurde sie mit der schmiedeeisernen Laube ergänzt.

 

 

In der Nacht ist die Zisterne stimmungsvoll beleuchtet

 

 

Der Glockenturm
1587 wurde von Martin Hilger die sogenannte Liesl gegossen. Sie ist eine ca. 4,5 Tonnen schwere, im Durchmesser fast 2 Meter messende Glocke die auch die Namen große Glocke, Siebnerglocke oder Türkenglocke hatte. Nun hatte man in Graz eine der größten Glocken der Steiermark, aber noch keine Behausung dafür. So wurde 1588 der achteckige, fünfstöckige Renaissanceturm errichtet. Der Glockenturm gehörte zu der Thomaskapelle von der nur mehr Fundamente übrig sind.
Seitlich kann man eine Gedenktafel entdecken. Auf der kann man lesen, dass 1809 der „Grazer bürgerliche Handelsstand“ den Glockenturm für 29.678 Gulden und 41 Kreuzer den französische Soldaten abgekauft hat.

 

Die Heimat der „Liesl“, der Glockenturm

 

Die Stallbastei
Die Stall- oder Kanonenbastei auf dem Schlossberg wurde in den Jahren 1544 bis 1546 erbaut und im Jahr 1978 restauriert. Auf der vergrößerten Terrasse der Bastei steht die ehemalige Kanonenhütte die bereits 1725, als Feueralarmstelle bestand. In den Jahren 1978/1979 erfolgte eine Gesamtrestaurierung und danach die Unterbringung des Garnisonsmuseums.

 

Blick aus der Stallbastei auf die Grazer Altstadt

 

Aussichtspunkte
Rund um den Berg hat man unzählige Aussichtspunkte auf die Stadt. Teilweise sind auch Tafeln angebracht, damit man weiß in welche Richtung man gerade schaut. Ganz mutige können sich auch auf die Mauern setzen und den Ausblick genießen. Wer aber nicht nur den Ausblick, sondern noch etwas Kulinarik genießen möchte, findet dazu einige Lokalitäten: 
das Restaurant Aiola-Upstairs neben dem Uhrturm, das Schlossbergrestaurant mit Bar und einem Biergarten bei den Kasematten und das Starcke Winzerhaus. Dem kleinen Souvenirladen in der Nähe des Stallbastei sollte man auch unbedingt einen Besuch abstatten.

 

Wie kommt man nun wieder runter vom Berg?
Genauso wie man rauf ist, PLUS einer weiteren Möglichkeit. Im Februar 2019 wurde die 170 m lange Schlossbergrutsche eröffnet. Mutige können hier die 64 Meter Höhe in ca. 40 Sekunden bewältigen.
Genauere Informationen und Tarife für die Schlossbergbahn, den Lift und die Rutsche findet hier: Holding Graz